Wenn wir die Gabel noch weiter optimieren wollen, oder sie auch nur einfach überholen, wenn sie z.B. leckt, müssen wir sie zerlegen, dazu erst mal ein Überblick:

Wenn wir nur das Gabelöl wechseln wollen (was nach spätestens 20.000km gemacht werden sollte,) und wir ein älteres Motorrad fahren, können wir Glück haben: Dann brauchen wir die Gabel noch nicht einmal ausbauen, da wir für das Öl eine Ablassschraube (11) haben. Wenn wir neues Öl einfüllen wollen, müssen wir den Stopfen (10) entfernen. Aber vorsichtig, immer nur einen Stopfen entfernen, da mit dem die Feder (7) vorgespannt wird. Wer beide Stopfen entfernt, dem sackt sein Motorrad in den Keller. Die Stopfen sind entweder eingeschraubt (wie in unserem Bild), oder mit einem Drahtring gesichert. Bevor man sich ans rausschrauben macht sollten wir die Klemmungen an der oberen Gabelbrücke lösen, da die die Verschraubung des Stopfens Festklemmt.
  Ist der Stopfen entfernt, können wir auch gleich die Feder und eventuelle Vorspannhülsen (12) rausnehmen, um die Feder auf Verschleiß zu Überprüfen (im Werkstatthandbuch stehen die Verschleißgrenzen drin). Alternativ können wir natürlich auch gleich andere (progressive) Federn einbauen: dabei wird die Feder mit den engen Windungen nach oben eingebaut (das ist der schwerere Teil der Feder, und der kommt nach oben, damit die ungefederten Massen so gering wie möglich sind :-) ). Die preiswertere Methode sind natürlich längere/kürzere Vorspannhülsen (auch gut geeignet, um das Fahrwerk tiefer zu legen :-) ).

 Ist die Gabel undicht, haben wir sie natürlich ausgebaut, und müssen sie komplett zerlegen, um den Dichtring (3) zu ersetzen (einige versuchen den Dichtring ohne zerlegen zu ersetzen, dabei wird aber oft der Sitz zerstört, und die bekommen die Gabel dann nie wider dicht. es sei denn das Tauchrohr wird ersetzt, und das ist teuer. Also Finger weg von der Methode)
 Um die Gabel komplett zerlegen zu können müssen wir den Sicherungsring (2), und die Schraube (9) entfernen. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht: Die Schraube hat meißtens ein Feingewinde, sitzt daher sehr fest. Am besten geht es mit einen Preßluft-, oder Schlagschrauber, wobei wir das Tauchrohr eingespannt haben, und gleichzeitig kräftig am Standrohr ziehen. Mit ein wenig Glück löst sich die Schraube dann. Wenn das nicht möglich ist, schauen wir in das Standrohr hinein, dort sehen wir das Dämpferrohr (8), dessen Spitze eine Zwölfkantaufnahme hat. Entweder man besorgt sich eine Spezialnuß, die aus einem viereckigen Kegel besteht, mit der man das Dämpferrohr festhalten kann. Die billigere Alternative ist sich einen T-Griff mit einer passenden Mutter anzufertigen:

Jetzt haben wir die Gabel zerlegt. Dabei können wir auch gleich die Gleitlager (4) kontrollieren: die bestehen aus einem Stahlring. der mit Teflon beschichtet ist. Da die Gabel außer dämpfen und federn auch noch das Rad führt, also auch Querkräfte aufnehmen muß, verschleißen diese Lager relativ schnell. In dem Bild ganz oben ist nur ein Lager abgebildet. Modernere Gabeln haben auch am unteren Ende des Standrohres noch ein Gleitlager.
 So jetzt zum Zusammenbau der Gabel:  Es wird natürlich alles in umgekehrter Reihenfolge zusammen gebaut. Dabei sollte man aber einiges beachten: Wenn wir den Dichtring (Simmerring) über das Standrohr stülpen, sollten wir das Rohrende mit Klebeband wie z.B. Isolierband abkleben: Das Ende Der Standrohres hat meißtens eine scharfe Kante, an der wir sonst unseren Dichtring beschädigen könnten, und ales wäre umsonst. Wenn wir frisches Öl einfüllen, sollten wir mit der Gabel einige Pumpbewegungen machen, damit die Luftblasen aus dem System kommen. Wenn die Gabel eine Luftunterstützung hat geben wir nie mehr als 0,8-0,9bar Druck auf das System; wenn der Ölstand in der Gabel besonders hoch ist sogar noch weniger. Beim einfedern der Gabel wird dieses Luftpolster komprimiert, und da können Drücke von mehreren bar entstehen;wenn der zu hoch ist, kann das keine Dichtung halten, und die Gabel fängt wieder an zu lecken. (Derwegen sind die gasunterstützten Federbeine auch so teuer;- sie sind extrem stark abgedichtet.)

Noch mal zu den Gleitlagern: Wenn alles zerlegt ist, sollte man gleich mal Tauch- und Standrohr mit montierten Gleitlagern ineinander schieben, und am Standrohr wackeln. Wenn das Standrohr spürbares Spiel im Tauchrohr hat, kann das die Ursache für eine Flatternde Gabel beim Bremsen etc. sein.
(Das war z.B. bei einigen 2000`er ZX9 und auch bei einigen sechsern der Fall, der Austausch der Bremsbeläge war völliger Quatsch!)
Das kann man aber leicht beseitigen, indem die Gleitlager mit Fühlerlehren unterfüttert werden. Aber vorsichtig, gerade nur so viel, das auch garantiert nichts klemmt.

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