1.Hast Du dich schon auf eine Maschine eingeschossen?, wenn nicht lieber eine aktuellere und kleinere als einen alten Schinken. 
Du kannst sie später leichter wiederverkaufen als ein Modell was keiner mehr kennt, außerdem sind die Ersatzteilpreise bei neueren Maschinen in der Regel nicht so hoch. 

2.Laß Dich nicht von Sprüchen wie "von Frau gefahren" oder "Checkheftgepflegt" beeindrucken, die Frauen heizen genauso und die Werkstätten pflegen manchmal auch wirklich nur das Checkheft.

3.Bei sehr "neuen" Gebrauchten sollte man auch vorsichtig sein: Reifen runter, Kettensatz verschlissen? wenn man anfallende Verschleißteile zum Kaufpreis dazurechnet (einschließlich Arbeitslohn der Werkstätten) ist der Preisunterschied zu einer Neuen nicht mehr so gravierend. 

So, jetzt zu dem was ich beim Kauf immer kontrolliere: 

Lenkkopflager: Bei der Kontrolle muß das Vorderrad frei sein, also entweder auf dem Hauptständer stehen, oder wenn das nicht möglich ist kann ein Helfer das Motorrad über den Seitenständer kippen(ging bis jetzt immer). 
Die Gabel jetzt leicht um die Geradeausstellung bewegen, dabei dürfen keine Einraststellungen zu spüren sein. Wenn doch ist das Lenkkopflager verschlissen. ein Lagersatz kostet im Zubehör ca.30-50,--DM plus ca. 2Std. Einbauzeit (Werkstatt gesamt ca. 300,--DM) 
Jetzt die Gabel unten anpacken und vor und zurück bewegen, dabei darf kein Spiel spürbar sein(manchmal ist es das doch, und zwar kommt das vom Hauptständer der immer etwas Spiel hat, also darauf achten). 
Im Idealfall hat die Lenkung kein Spiel, keine Rastmarken und fällt von alleine auf die Lenkanschläge wenn man sie aus der Mitte bringt. 
Zuletzt das M. wieder vom Ständer nehmen die Vorderbremse voll ziehen und mit Schwung mehrmals die Gabel eintauchen; wenn Knackgeräusche hörbar sind hat das Lenkkopflager im Lenkkopf selber Spiel (falls es nicht zu lose war) oder die Gabel selber ist verschlissen: FINGER WEG!!! (außer bei den Sportlern von Kawa ZX6-9 ZZR da ist es normal) 
Eine gebrauchte Gabel (oder die Überholung) kostet 500-1500 DM; ein dev. Lenkkopf bedeutet Rahmentausch.

Gabel: Die Standrohre auf Steinschlag überprüfen; ist Steinschlag vorhanden sind die Gabelsimmerringe auch meist kaputt(Ölaustritt, Ölfilm auf den Standrohren). Ein neues Standrohr kostet ca. 300-500,--DM +1.5Std Einbauzeit +Öl . 
Auf Verzug überprüfen; dafür brauchst Du ein möglichst breites Alu-U-Profil (Baumarkt) ca.30cm lang. Leg das U-Profil über die Standrohre, es muß an allen vier Stellen Kontakt haben darf also nicht klappern. Wenn es nur leicht klappert ist die Gabel nur verspannt eingebaut( untere Gabelklemmen lösen, ausrichten, festziehen fertig :-) ),ist sie stark verzogen s.o.. 

Gabelsimmerringe: Staubkappen mit einem Messer o.ä. anheben und kontrollieren ob Öl zu sehen ist; meist sieht es unter den Kappen ziemlich verrostet aus, das hat aber keine Auswirkung auf die Funktion. Simmerringe kosten im Zubehör ca.20-30,--DM +1.5Std. Einbauzeit +Öl . 

Reifen: Bei den Reifen ist eine Gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6mm Vorgeschrieben, außerdem sollten sie keine Risse haben. 
 Bei Rissen sind die Reifen schon sehr alt und ausgehärtet; so etwas findest Du oft bei Tourern, Choppern etc.. Ein Satz Reifen kostet ca.300,--(Tourer, Chopper) bis 600,--DM(Sportler). Die Reifen müssen auch mit denen im Fahrzeugbrief eingetragenen übereinstimmen. Bei älteren und kleineren Motorrädern sind oft nur die Reifendimensionen und die Geschwindigkeitsklasse eingetragen, bei neueren auch die Marke mit dem entsprechenden Modell (auch auf Zusatzbezeichnungen achten, da einige Reifen speziell für ein Motorrad entwickelt werden). 

Felgen: Die Felgen auf Höhen- und Seitenschlag prüfen: Die Hand an der Gabel bzw. Schwinge abstützen und dabei einen Stift o.ä. so nah wie möglich an die Felge halten, dabei das Rad drehen. Der Felgenschlag bei einem Speichenrad sollte so gering wie möglich sein (Yamaha gibt bei der XT600 max. 1mm vor und das ist viel!). Die Schweißnaht sollte dich dabei nicht irritieren gerade bei Stahlfelgen(also die billigsten) sind die nur grob Verputzt. Gußfelgen dürfen bei dieser Methode keinen Schlag haben, sonst haben sie einen Unfall hinter sich (oder Bordsteinkanten) und damit Mikrorisse!!! 

Motor: Springt er sofort an? Kontrolliere vorher ob er gerade gelaufen hat ( noch handwarm?), im warmen Zustand springt auch die älteste Gurke einigermaßen an. Wenn der Motor läuft rasselt oder klappert etwas?: Ein hohes leises Tickern könnte auf zu hohes Ventilspiel hindeuten (bei Kawa eher die Regel, die haben sehr großes Ventilspiel). Wenn es ein hohes Rasseln ist, ist es meist der Ventiltrieb (Steuerkette, Kettenspanner) bei einigen Modellen auch der Kupplungskorb. Solche Geräusche müssen verschwinden sobald die Leerlaufdrehzahl leicht angehoben wird, sonst FINGER WEG!!! 
 Nach einer Probefahrt Kontrollieren ob sich irgendwo Öl angesammelt hat. Typische Schwachstellen sind: 
Ölablaßschraube: Viele ziehen diese so fest an, daß das Gewinde aus der Ölwanne kommt. Ein Indiz dafür ist ein Dichtring der schon nach außen quillt. Gewindeeinsätze kosten ca. 50,--DM +1Std. 
Motorseitendeckel: nicht so schlimm, eine neue Dichtung kostet je nach Größe 10-50,--DM. 
Fußdichtung (untere Zylinderdichtung): Da wird es teuer, ein Dichtsatz kostet ca.100-200,--DM +8Std Werkstatt bei einem Vierzylinder wassergekühlt, V-2-Motoren sind noch teurer. 
Kopfdichtung(obere Zylinderdichtung): Wie Fußdichtung. 
Ventildeckeldichtung(die oberste):Da hatte dann wohl einer beim Ventile einstellen geschlampt :-) ,ansonsten wie Seitendeckel. 

Auspuffanlage: Sind auch hier alle Dichtungen noch dicht? (Krümmer, Sammlerrohr, Endtopf) Bei laufendem Motor die Hand über die entsprechenden Stellen halten (Vorsicht Krümmer sind die heißesten stellen des Motors),ansonsten Sicht- und Hörprobe. 
Wenn der Endtopf ringförmige Beulen aufweist ist er hinüber. Kosten für Endtöpfe ca.400(Sito) bis 2500,--DM(Komplettanlagen original) Ist es überhaupt noch die Originalanlage oder eine mit ABE oder eingetragen? Wenn es eine "Racing" ist: Spätestens zum nächsten TÜV brauchst Du eine neue. Die meisten legalen Zubehöranlagen haben heute eine EG-ABE erkennbar an einem großen E mit anschließender Nummer in einem Rechteck. Zu geänderten Geräuschgrenzwerten im Brief ;erlaubt sind: 
ab: 30.09.83 84dB 
30.09.90 82dB 
30.09.95 80dB 
auch wenn höhere Werte im Brief stehen, ein Motorrad mit so einer Anlage wird bei der nächsten Kontrolle stillgelegt (natürlich nur wenn es bemerkt wird :-) )! 

Radlager: Das Entsprechende Rad muß frei drehbar sein. Versuch das Rad quer zur Radachse zu bewegen, es darf kein Spiel vorhanden sein. Wenn es defekt ist: Radlager kosten ca. 30-50,--DM als Original(vorne 2 hinten 3) +1Std. 
Schwingenlager: Ähnlich wie beim Rad, versuch die Schwinge quer und längs der Schwingenachse zu bewegen auch dabei darf kein Spiel vorhanden sein. Alte Motorräder hatten früher nur Gleitlager, die sollte man eh austauschen (Umrüstsätze gibt es im Zubehör). 

Federung hinten: Versuch die Schwinge hoch und runter zu bewegen, wenn Spiel vorhanden ist sind die Federbeinaufnahmen oder Umlenkhebel verschlissen. Bei den Umlenkhebeln sind die Preise ähnlich wie beim Radlager. 
Federbein: Zusätzlich kontrollieren ob ein Ölfilm oder Steinschlag/Rostpickel auf der Dämpferstange ist/sind (siehe Gabel). Federbeine kosten ca.450(Stereodämpfer) bis 1200,--DM(Ölins-"Luxusdämpfer"/original). 

Bremsanlage: Leichte Riefen in den Bremsscheiben sind fast schon normal sollten aber wirklich nur leicht sein. Auf den Scheiben ist immer die Verschleißgrenze in Millimeter angegeben. Die tatsächliche Dicke läßt sich aber nur mit einer Bügelmeßschraube zuverlässig ermitteln (die aber kaum einer hat), eine gute näherung bringt aber die "Fingerprobe": Mit den Fingern am Bremsscheibenrand entlang fahren; dabei darf sich der Rand nicht deutlich dicker anfühlen als der Rest der Scheibe.
 Trommelbremsen haben alle eine Verschleißanzeige, die sollte bei gezogener Bremse deutlich vor der Verschleißgrenze sein, sonst ist auch die Trommel verschlissen. Sehr teuer, da die ganze Nabe (bei Speichenrädern) bzw. die Felge erneuert werden muß. 
Scheibenbeläge haben neu eine Belagstärke von ca.6-7mm und sind bei ca. 1mm verschlissen. Kosten pro Belag ca.50(Zubehör)-150,--DM(Original) +10Min. 
Auf der Probefahrt die Bremsen einzeln bis zum stillstand leicht ziehen, bei 20-30km/h merkt man am ehesten verzogene Scheiben/Trommeln. Kosten pro Scheibe ca. 400-600,--DM (original, im Zubehör habe ich noch keine gefunden die billiger und trotzdem gleichwertig waren). 
Kette/Kardan: So prüfte der TÜV bei mir immer den Verschleiß: Wenn man einen Einser Kreuzschraubenzieher (der kleinste in einem Werkzeugkasten) zwischen Kette und das hintere Zahnrad (Kettenblatt) schieben kann ist der Kettensatz verschlissen. Ein neuer läßt sich nicht merklich vom Kettenblatt ziehen und hält normalerweise ca.20-30 tausend km. Ein neuer kostet ca.200-300,--DM +1.5Std. .Der Kardanantrieb geht eigentlich nie kaputt, wenn doch wird es meistens aber sehr teuer. Kosten für den Kegelradsatz ca.1000,--DM +5Std. Erkennen kann man einen def. Kardanantrieb an mahlenden Geräuschen beim fahren. 

Elektrik: Das alles funktionieren muß ist ja klar, aber es gibt trotzdem noch einiges mehr zu beachten: Sind alle Bauteile auch Zugelassen? Scheinwerfer, Rücklicht und Blinker müssen ein Prüfzeichen besitzen; entweder eine Welle (bei älteren Modellen) oder das E-Prüfzeichen (US-Importe haben diese Zeichen nicht, und wenn diese Bauteile nicht eingetragen sind kann es beim nächsten TÜV Probleme geben ). Auch kontrollieren ob der Motor ausgeht wenn man mit ausgeklappten Seitenständer losfahren will. 

Unfälle: Eigentlich hatte jedes gebrauchte Motorrad mal einen Unfall hinter sich, macht ja auch nichts so lange es ordentlich instand gesetzt wurde. Eindeutig ist es wenn der Rahmen getauscht wurde: Der neue Rahmen muß im Brief eingetragen sein; viele machen das aber nicht. Einen Rahmentausch erkennst Du daran, das die Rahmennummer nicht 100 prozentig gerade im Lenkkopf eingeschlagen wurde. Wenn Du den Verdacht hast der Rahmen ist nicht Original und nicht Eingetragen FINGER WEG!!! 
Ansonsten ist ein Tauschrahmen ein Grund für einen deutlichen Preisnachlaß (warum weiß ich eigentlich auch nicht, ich habe mir meine letzte Maschine gekauft, WEIL sie einen neuen hat nämlich einen Alurahmen, und die werden mit der Zeit weich)! 
Jetzt zu den weniger auffälligen "Indizien": Ist der Lenkanschlag verbogen, gab es mal einen kräftigen Sturz und der Verdacht liegt nahe, das noch mehr Verzogen ist(Gabel-/Brücken, Felgen, Rahmen etc.), im Zweifel FINGER WEG!!! 
Typische Kratzspuren findet man sonst noch an: Gabeltauchrohr unterhalb der Vorderachse, Endtopf, Spiegel, Unterseite Blinker, Lenkerenden, Brems-/Kupplungshebel, Unterseite Fußrasten (die wenigsten bringen sie zum aufsetzen), halt alles was absteht. 
Wenn diese Kratzspuren in eine Richtung weisen war es ein Unfall/Wegschmieren ansonsten Wahrscheinlich nur ein Hinfaller im Stand od. niedriger Geschwindigkeit. 

Eintragungen: Es müssen alle Zubehörteile (sofern sie keine ABE besitzen) eingetragen sein, die die Motorleistung, das Fahrwerk oder die Bremsanlage betreffen. Typische Teile sind: Lenker, Federbeine, Auspuffanlagen, vor-/zurückverlegte Fußrastenanlagen Reifen oder Bremsleitungen. 

So das sind eigentlich alle allgemeinen Punkte die ich immer bei einem Motorrad kontrolliere wenn ich eins kaufen will. Natürlich hat jedes Modell noch seine speziellen Schwachpunkte, die man Dir bestimmt in einem Forum mitteilen kann. Ansonsten wünsche ich noch viel Glück beim Kauf deiner Wunschmaschine und eine unfallfreie Saison. 

Grüße aus dem Ölsumpf Andreas