Diese Sitzbank (XS400) soll nicht nur einen neuen Bezug bekommen, sondern auch etwas sportiver ausfallen: Der Sozius wird auf- und der Fahrerplatz abgepolztert.

Als erstes müssen wir wieder den alten Bezug entfernen: Genau wie bei der Kunststoffwanne der vorherigen Sitzbank die Krampen, biegen wir bei dieser Blechwanne die Haken auf.

Dabei passiert es uns manchmal, das einige Haken dabei abbrechen; das macht aber nichts, da wir die nicht mehr brauchen. Wenn wir den Bezug runter haben fällt uns bei den Blechwannen meistens der Schaumstoffblock schon entgegen. Jetzt nehmen wir den Keder bzw. das Kantenband auch gleich von der Wanne ab, und biegen die Haken wieder um. (Und wenn wir schon dabei sind, können wir bei dieser "etwas" maroden Bodenwanne auch gleich die gröbsten Beulen beseitigen:-)   )

Nun kommen wir zum wichtigsten; - der Polzterei: Das alte Polster fixieren wir mit ein paar Klebepunkten  (Pattex etc., jedenfalls mit einem dauerelastischen Neoprenkleber) auf der Wanne.

Da wir hinten ja aufpolstern wollen, kleben wir eine Schaumstoffmatte auf, die wir mit dem Kleber vollständig eingepinselt haben (wir könnten auch mehrere Matten übereinander schichten, bis wir die gewünschte Höhe erreicht haben). Dabei ist es wichtig, das die Matte auch wirklich bis zum Rand fest klebt.
 

Ist der Kleber getrocknet, können wir die grobe Form schon mal mit dem Messer vorarbeiten (aber wirklich nur grob!, denn das gibt fürchterliche Scharten).

Jetzt nehmen wir einen Winkelschleifer (eigentlich nennen alle das Gerät "Flex", aber sowas soll ich hier ja möglichst vermeiden :-)  ), bestückt mit einer Lamellenschleifscheibe ( 60'er bis 80'er Körnung) und schleifen damit langsam die gewünschte Form aus der Sitzbank. (Dabei werden wir am Anfang sicherlich einige Scharten in den Schaumstoff bekommen; das macht aber nichts, solange wir an einer Stelle anfangen, wo eh viel Material abgetragen werden soll. Danach kommt schnell ein Gefühl dafür auf, wie die Fl.. 'tschuldigung, natürlich Winkelschleifer gehalten werden muß.)

Dabei schleifen wir die Form von allen Seiten gleichmäßig heraus, und kontrollieren zwischendurch immer wieder, wie glatt unsere Konturen sind; auch können wir zur Kontrolle mal den späteren Bezug über die Sitzbank spannen, um zu sehen ob sich irgendwelche Unebenheiten bemerkbar machen.

Wenn wir mit der schleiferei vertig sind, können wir uns den Bezug grob zurechtschneiden, und die Bodenwanne mit Bremsenreiniger, Azeton, oder Universalverdünner etc. reinigen.

Nun streichen wir den Rand der Wanne mit Kleber ein, und fixieren den Bezug nach Ablüftung des Klebers wie bei der anderen Sitzbank.


Erst...

...eine Seite,...

...dann die andere :-)

Jetzt geht es erst richtig mit der Bezieherei los; lassen wir die Bilder am besten für sich alleine sprechen:


Ordentlich straff ziehen!

Und es dröhnt...

...und dröhnt...

der Fön!

Einmal um die Ecke ziehen,...

...und schön festhalten bis es klebt!

Auch das "Heck"..

...festhalten, bis es klebt.

Und das Ganze...

...solange, bis...

...wir einmal...

...rum sind :-)

Bei der Bezieherei ist es fast schon ein Ritual: erwärmen, straff ziehen, festkleben! Sollten wir uns mal "verklebt" haben, kein Problem: einfach wieder abziehen und korrigieren. Auch wenn der Bezugsstoff nicht so richtig kleben will ist das kein Beinbruch: auch den Bezug (natürlich von hinten :-)  ) mit Klebe einstreichen und etwas ablüften lassen.

  So, wir sind vertig :-) ...   Äh, nö! Die Gemeinheit an der Sitzbank haben wir ja noch garnicht gesehen! Der Übergang vom Tank zur Sitzbank besteht nämlich nur aus Schaumstoff; wenn wir auch dort den Bezug einfach straff rum ziehen, gibt das nur einen unschönen Wulst und keine scharfe Kante. Entweder wir finden jemanden, der mit zarter Hand uns diesen Absatz umnäht (da hören meine Talente jetzt aber auf !!!), oder wir packen den Bereich wie zu Weihnachten die Geschenke ein:

Dabei ziehen wir den Bezug gaaaanz vorsichtig soweit straff, das sich um die Kante gerade keine Falte bildet; der Rest klappen wir um, und verkleben alles.

Das Ganze sieht jetzt natürlich recht wild aus, das bekommen wir aber noch hin:

Zuerst schneiden wir den ganzen überflüssigen Bezugsstoff ab, der behindert uns jetzt nur noch. Nun können wir die ganzen Falten, die sich auf der Unterseite gebildet haben bis kurz vor die Kante einschneiden, und dann verkleben.
 
 
 

Nun sind wir aber wirklich vertig (eigentlich fehlt noch der Halteriemen, den habe ich aber nicht mit bekommen :-(  ).
 An der anderen Sitzbankkombination ( LS650) hat sich ein interessierter Beobachter gleich nach der Fotoaktion versucht (Ohne Hilfestellung oder Tipps!); ist doch eine erstklassige Arbeit geworden :-)

Noch ein paar Tipps, die ich los werden kann:

Je härter der gewählte Schaumstoff ist, desto einfacher läßt er sich mit dem Winkelschleifer bearbeiten, und desto schärfer zeichnen sich die Konturen unter dem Bezug ab (die schwarze Matte war schon richtiges Moosgummi, daher auch die scharfe Kante auf dem Soziussitz :-)   ).
  Den besten Kompromiß zwischen Optik und Sitzkomfort bekommt man mit sog. "Vebundschaumstoff"; der sieht aus, als wenn er aus gehexelten Sofas zusammengeklebt wurde. :-)

  Sollte man sich verschliffen haben, ist das kein Beinbruch: etwas Schaumstoff in/über die Stelle kleben, und nach Austrocknung wieder glatt schleifen (das ist fast wie spachteln :-)   ).
  Den Bezug gibt es mit und ohne hinterlegtem Gewebe zu kaufen (die meisten Sattler benutzen den mit, wobei sich das "Luxuskunstleder" "Mufflon" nennt), der mit ist um einiges gutmütiger zu verarbeiten.

  Für einige Modelle gibt es auch fertige Bezüge zu kaufen, die sind meistens etwas schlechter in der Qualität, lassen sich aber leichter verarbeiten, da sie schon vorgeformt sind.

  Es gibt auch sehr dünnes Fließ beim Sattler zu kaufen, mit dem kann man so manche kleine Scharte im Schaumstoff verdecken, wenn man ihn zwischen Sitzbank und Bezug legt.

 Grüße aus dem Ölsumpf Andreas

zurück