Viele von uns schrauben selber an ihren Maschinen, angefangen bei einem einfachen Ölwechsel bis hin zur Totalüberholung. Was da aber an Werkzeug zum Einsatz kommt ist manchmal zum Haare raufen. Deshalb möchte ich mal was zum Thema Werkzeug los werden.
  Die Qualität der Werkzeuge kann eigentlich nicht hoch genug sein. Es ist ärgerlich (und am Ende teurer) wenn man mit einem Schraubenzieher einen Schraubenkopf nach dem anderen Zerstört. Von solchen Komplettkoffern für 99,--DM sollte man wirklich die Finger lassen. Qualität zeichnet sich übrigens nicht nur durch das verwendete Material aus (Chrom-Vanadium-Stahl steht mittlerweile auf allen Werkzeugen, Fahrradrahmen bestehen aber auch zum großen Teil daraus, und wer will schon mit einem Fahrrad eine Schraube festziehen?), sondern vor allem durch die Fertigungstoleranzen. Billigwerkzeuge lassen meist mehr Luft zwischen sich und dem Material, dadurch können die Fertigungstoleranzen größer sein, und damit billiger produziert werden (Wer kennt nicht die Nuß aus dem Knarrenkasten, die sich hervorragend auf dem Sechskantkopf eine achtel Umdrehung bewegen läßt, bevor sie fäßt?).
  Was braucht man aber als Grundausstattung, um die meisten Arbeiten selber ausführen zu können? Hier eine kleine Liste mit entsprechenden Kommentaren:
 

- 1 Satz Schraubendreher:

Die Schraubendreher Gibt es oft als Komplettsatz, wo aber der Kreuzschraubendreher Größe 3 fehlt, den muß man einzeln kaufen. Bei diesen Werkzeugen wird beim schrauben oft ein zu kleiner genommen; also erst mal eine Nummer größer probieren, ob der paßt bis man ein Auge dafür hat. Die Schraubendreher sollten einen durchgehenden Schaft haben, damit sie auch mal einen Schlag mit dem Hammer aushalten, und einen Sechskantansatz damit man einen Maulschlüssel ansetzen kann.

- 2 Satz Ring-Maul-Schlüssel:

Komplette Sätze gehen bei der Schlüsselweite(SW) 8 (8mm) los, und hören bei SW 24 auf. An unseren Motorrädern treten aber Schlüsselweiten bis SW32 auf(z.B. Lenkkopf oder Radachse, bei bedarf nachmessen). Da reicht aber in der Regel ein einzelner Schlüssel pro SW (die großen sind ganz schön teuer :-( ). Wer an Vergasern Schraubt benötigt noch SW 6 und 7.

- ½ Zoll Satz Knarrenkasten:

Die Nüsse fangen bei der SW 10 an und enden bei SW 32 (da kann man ev.   auf die großen Schlüssel verzichten :-) ). Am besten sind Sechskantnüsse, da sie die Schrauben/Muttern schonender fassen. Zusätzlich sollte noch ein Gelenkstück dabei sein und je eine kurze und lange Verlängerung. Die Qualität des Satzes entscheidet sich oft an der Knarre: Die Ratsche sollte möglichst fein verzahnt sein, um auch an engen Stellen noch schrauben zu können, aber auch nicht zu lose in der Knarre sitzen, sonst besteht die Gefahr, daß sie überspringt. Den Kästen ist meist noch je eine SW20,8 und SW 16 Kerzennuß beigelegt. Das entspricht bei den NGK-Kerzen den Größen B und C. Die D-Kerzen (z.B.: DR8ES) haben eine SW von 18, und muß extra angeschafft werden (vielleicht hilft das Bordwerkzeug auch weiter).

- ¼ Zoll Satz Knarrenkasten:

Als Ergänzung  zum großen Kasten, die Nüsse gehen von SW4 bis SW13.                   Man benötigt aber eigentlich nur die Größen SW 8 und für enge Stellen SW10-13.

- Zangen:

Man Benötigt je eine: Wasserpumpenzange, Kombizange, Spitzzange. Das verstellbare Gelenk der “Wapuza“ sollte durchgehend sein, da sie sich sonst leicht verkanntet, und die Backen möglichst scharf gezackt, um sicheren Halt zu gewährleisten. Bei der Spitzzange habe ich mich am Anfang für eine gekröpfte Version entschieden, da sie universeller einsetzbar ist. Allgemein bei Zangen, sollten die Gelenke leichtgängig sein, aber kein spürbares Spiel haben. Zusätzlich kann man sich noch eine sog. Grippzange zulegen (Zangen die man unter Spannung stellen kann, und so von alleine festhalten, manchmal auch Schweißerzange genannt. Sehr hilfreich als “dritte Hand“ ).
 

die Grippzange

- Innensechskantschlüssel:

Für den Anfang reicht ein Satz L-förmig gebogener Innensechskantschlüssel (allg. als Inbuß bezeichnet), die es “am Ring“ zu kaufen gibt. Wer öfter schraubt kann sich noch die Größen SW5 und 6 als T-Griff zulegen. Das gleiche gilt für die Nüsse SW5-6-8(-10) (ich möchte sie nicht mehr missen).

- Hämmer:

Wichtig ist ein Kunststoffhammer zum lösen von Seitendeckeln etc. ; die gibt es mit je einer Kunststoff- und einer Gummiseite(bei wertigen Hämmern sind die Schlagseiten aufgeschraubt, man kann sie bei Verschleiß austauschen). Zusätzlich benötigt man noch einen Stahlhammer (min. 500g) Später kann man sich noch einen Fäustling zulegen, für die etwas brutaleren Maßnamen.

- Sonstiges:
Scharfes Messer (am besten einen Cutter). Blumendraht um Bauteile zeitweise weg zu binden oder zu fixieren. Gewebeband (Panzertape) um Lackteile zeitweise zu schützen/ Bauteile fixieren. Fettpresse für Schmiernippel etc. Kupferpaste für alle Verbindungen, die heiß werden (Krümmerschrauben, Bremssattelverbindungen, etc.) oder bei unterschiedlichen Materialpaarungen wie Stahlschraube in Alugewinde (verhindert das Festrosten). Batteriepolfett für alle Kontakte, die gefährdet sind (Pluspol der Batt., Hupenknopf etc.). Universalspray zum entrosten  und schmieren diverser Teile (Bremshebelgelenke Fußrasten etc. – Nicht die Bowdenzüge, die haben mittlerweile alle eine Teflonbeschichtung, wenn die geschmiert werden zieht das nur Staub/Dreck an). Kettenspray nicht nur für die Kette. Bremsenreiniger, Reinigungsspray für schwer zugängliche Stellen. Terpentinersatz zum reinigen/entfetten. Reichlich Lappen.        Chrompolitur und Stahlwolle für hartnäckige Rostflecken. Lackstifte in den passenden Farben. (Man kann wirklich unsichtbar ausbessern, wenn man den Lack dick aufträgt, und dann das ganze zwei Tage später mit 1000‘er Schleifpapier, welches mit Unispray  getränkt ist, glatt schleift. Danach gründlich polieren und wachsen.) Für den Ölwechsel eine Wanne (ein aufgeschnittener Kanister geht auch) und für Ölpatronen den passenden Schlüssel. Ein Multimeter für den Elektrikcheck (da reicht ein Billiges für Widerstand und Spannungsmessung)

Wenn man seine Inspektionen  komplett selber machen will, braucht man zum Ventile einstellen noch einen Satz Fühlerlehren (am besten in Schritten von zwei Hundertstel Abstand), wenn die Maschine keine Hydrostößel hat.
Zum Vergasersynchronisieren (ab zwei Vergasern) einen Satz Unterdruckuhren mit ev. benötigten Adapterschrauben und einen kleinen Benzintank. (Ein kompletter Satz mit Adaptern und Tank kostet ca. 230,--DM. Das hat man schon nach einer Insp. wieder raus.) Ev. einen langen Schraubendreher, um an die Synchronisierschrauben zu kommen.
 

Zu guter letzt sollte man einen kleinen Vorrat an Schrauben und Muttern sein Eigen nennen, dann kommt man nicht in die Versuchung Rundgedrehte wieder rein zu schrauben.

Noch ein Wort zu den Werkstatthandbüchern: Nur damit ist man noch nicht auf der sicheren Seite. Wenn man etwas zum ersten mal macht ist es besser, jemanden dabei zu haben, der schon Erfahrung hat. Wenn der einem über die Schulter schaut kann eigentlich nichts schief gehen. Ansonsten reicht ein einfaches Datenblatt für die Ölfüllmengen und das Ventilspiel; ein Schaltplan ist auch nicht schlecht, muß aber nicht sein.